Der Ultimaker ist da – Meine ersten Erfahrungen


So, der Ultimaker (DIY Kit plus zwei Rollen PLA in silber und Kristallblau) kam am Mittwoch, aufgebaut wurde über mehrere Tage, meistens Abends.

Von der Auslieferung bis zum ersten Druck sind gerade Mal vier Tage vergangen.

Generell bin ich mit dem Set zufrieden, wobei es einige kleine Fehler gab und die Dokumentation noch ziemlich große Mängel aufwies.

Glücklicherweise hatte ich vorzüglichen Support von zwei Ultimaker Besitzern aus Deutschland und der Schweiz, da dies aber nicht der Usus ist, besteht hier noch viel Verbesserungspotential.

(Die Schätzung des Aufwandes ist mit Vorsicht zu genießen, ich habe mir extrem viel Zeit gelassen.)

Am ersten Abend habe ich den Holzrahmen zusammen gesetzt, Zeitaufwand inkl. Nachschleifen ca. 2.5 Stunden. Ich empfehle den Rahmen vorher probehalber zusammen zu setzen, um zu prüfen ob an den Nuten nicht noch Nachschleifbedarf besteht. Sonst muss man später zu viel Kraft aufwenden um die Teile zusammen zu stecken und ärgert sich nur mit den Schraubenmuttern.

Zweiter Tag, erneut Abends am Bauen gewesen. Rahmen und Montage der Motoren, sowie der ersten (vorderen) Achse. Alles in Allem gefühlt wie eine Packung Lego oder ein Ikea Schrank. Keine besonderen Vorkommnisse – aber es lohnt sich wirklich JEDEN Schritt der Anleitung zwei Mal zu lesen und im Zweifelsfalle lieber noch mal zu gucken. Sonst könnte es passieren das man bei der Montage der sog. Bushing Blocks feststellt das man ein Holzteil in falscher Reihenfolge montiert hat. Seufz.

Über das Wochenende bin ich dann nur unterbrochen und eher sporadisch dazu gekommen immer mehr Teile zu montieren, daher hier keine Zeitschätzung.

Freitag Abend das Druckbett, Samstag den Extruder (v2) sowie den Material Feeder (v2) und Sonntag die vollständige Elektronik, sowie die ersten Testdrucke.

Mein Eindruck vom Aufbau im Ganzen: Ein geübter Bastler mit ein bisschen Menschenverstand schafft es in guten 8 Stunden vom Set bis zum voll funktionsfähigen Ultimaker. Für den zweiten, so behaupte ich mal ganz frech, bräuchte ich jetzt nur noch 5-6 Stunden.

Der Aufbau ist sehr geradlinig und dank guter Beschriftung am Gerät, eigentlich recht verständlich. So jetzt kommt das große ABER: Wer der englischen Sprache nicht mächtig ist und noch nie einen funktionsfähigen Ultimaker im Einsatz gesehen hat, der wird sich schwer tun.

Nur um mal ein paar meiner Fehler aufzuzählen: Extruder Kastenteil links, falsch herum montiert. Rückseite des Gehäuses falsch herum montiert. Die Reihenfolge bei einem der Aufhängungen für den Extruder nicht beachtet und musste deswegen die gesamte Achse noch einmal entfernen. Z-Endstopper zu hoch angesetzt und deswegen jetzt ein Loch in dem Druckbett. Heater Kabel unter der Abdeckung nicht sauber montiert und gut eine Stunde in die Fehlersuche investiert. Nozzle nicht dicht genug gedreht.

Gerade das letze war eine ziemliche Sauerei und hätte schnell in einer verstopften Düse enden können. Der Ultimaker ist aber alles in allem sehr fehlertolerant. Das Schlimmste was einem passieren kann ist, das man Teile noch einmal wieder auseinander nehmen muss um es richtig zu machen.

Update vom 30. Oktober:

Die Sauerei der Düse hat tatsächlich dafür gesorgt das diese ab Mitte des Drucks nur noch Klekse und keine sauberen Linien mehr zog. Es ist also anzuraten die Nozzle und das Verbindungsstück zum Isolator (Peek) gut anzuziehen und eine zweite Nozzle zu besorgen, falls die erste doch verstopft.)

Erster 3D Druck:

So nun aber zum Ersten Druck, den ich auf Anraten von Florian Horsch, so etwas wie die gute Seele der Ultimaker Community und ganz nebenbei auch noch ein echter Pfundskerl, mit Cura gemacht habe, NICHT wie in der Anleitung vorgeschlagen mit NetFabb oder ReplicatorG.

Und gleich wieder ein Hinweis: Nach dem Aufsetzen der Kühleinheit, selbige noch einmal abziehen und prüfen ob die Heaterkabel sauber eingesteckt sind und ob der X-Endstop richtig herum montiert ist, denn die Aufschrift auf meinem Board war falsch herum. Cura lieferte beim ersten Check nämlich einen Fehler bei der Temperaturanzeige – was am Kabel des Heaters lag. Wieder etwas dazu gelernt.

Der erste Druck, nachdem der Check dann endlich durchlief, war – auf Grund des Ausfalls der Website Thingiverse am Sonntag – der mitgelieferte Ultimaker Robot in silbernem Ultimaker PLA. Und was soll ich sagen: Ich war hin und weg. Der Drucker wärmte auf, der Drucker lief los und … druckte.

Das Ergebnis kann sich, soweit ich es beurteilen kann, für einen ersten Druck durchaus sehen lassen

der erste Druck!

Stolz erfüllt schritt ich zu meinem zweiten Druck, einem 2×2 Duplo Stein. Dieser misslang gründlich, der Druck haftete nicht sauber auf dem Druckbett und wurde von der Nozzle umgehend gelöst. Hinweis: Nach Beginn des Drucks, wenn der Druckkopf von der 0 Position (Home) Richtung Mitte läuft, einfach eine Umdrehung der Z-Achse von Hand nachziehen. So dass die erste Schicht wirklich Millimeterdünn auf das Tape drückt. Das hilft ungemein.

Der zweite (erfolgreiche) Druck war wieder ein Robot, von ähnlicher Qualität wie der erste.

Es lohnt sich definitiv kleinere Objekte mehrmals zu machen und dann immer wieder mit der Konfiguration von Cura (oder anderen Programmen) zu spielen. Jedes Material ist verschieden, jedes Objekt hat seine schwierigen Stellen. Aber das Ergebnis lohnt sich.

Negatives:

Am meisten geärgert hat mich die Dokumentation. Diese ist zwar sehr umfangreich, teilweise aber veraltet oder unzureichend. Wenn ich die Zeit habe „not up to date“ an ein Bild zu schreiben, wieso habe ich dann nicht die Zeit ein neues zu machen?

Fazit:

Gut und jetzt mein Fazit: Wer einen 3d Drucker haben möchte, etwas Bastelwissen hat und Englisch versteht, kann beim Ultimaker eigentlich fast nichts falsch machen. Der Aufbau geht gut von der Hand und der erste fertige Druck macht einen einfach wahnsinnig kribbelig und stolz. Allerdings darf man nicht erwarten gleich Endkunden Qualität zu produzieren, gerade am Anfang kommt man um eine Menge Ausschuss nicht herum. Also lieber zwei Kilo oder mehr PLA bestellen, damit man genug Material für Experimente hat.

Fotos:

Und zum Schluss noch ein paar Eindrücke von den heute gedruckten Objekten:

Griff für den Ultimaker, gedruckt in Crystal blauem Ultimaker PLA, 20% Infill, Druckzeit etwa 1.5 Stunden
http://www.thingiverse.com/thing:22819

gedruckt in Crystal Blue Ultimaker PLA, Druckzeit etwa 45 Minuten, http://www.thingiverse.com/thing:33138

Stratos Flyer, gedruckt in Crystal Blue Ultimaker PLA
http://www.thingiverse.com/thing:31944

Gedruckt wurde mit Cura auf einem Mac OS, mit verschiedenen Einstellungen und Temperaturen.

Wenn ihr Fragen zu einzelnen Komponenten oder Bauphasen habt, schreibt das einfach in die Kommentare, ich versuche zeitnah auf Feedback einzugehen.