Neues von Alphaform


Letzte Woche bin ich in einer Pressemitteilung auf den letzten Quartalsbericht von Alphaform gestoßen und habe mir den auf einer Zugfahrt mal gänzlich durchgelesen.

Aus betriebswirschaftlicher Sicht gibt es sicherlich viel interessantes. So konnte Alphaform den Umsatz wieder auf ein neues Allzeithoch steigern (7,8 Millionen Euro nach 7,5 Millionen Euro im selben Quartal 2014). Nach wie vor steht aber ein negatives EBITDA zu Buche (-0,6 Millionen Euro).

Viel interessanter als diese Rahmendaten sind meines Erachtens aber einige Details aus dem Bericht. Zum Beispiel, dassmeisten Kunden von Alphaform immernoch aus der Automobilbranche und der medizinischen Orthopädie kommen. Und weiter, gleich in der Einleitung steht:

Im Dialog mit den rund 2.000 Alphaform-Kunden entdecken unsere Experten nahezu wöchentlich neue Anwendungsmöglichkeiten für additive Fertigungsverfahren. Noch ist deren Einsatz indes vielerorts auf Prototypen und Kleinstserien beschränkt; zudem hemmen fehlende Zertifizierungen die Expansion.

Wow, das nenne ich ein innovativer Technologie-Bereich, in dem permanent noch neue Einsatzmöglichketen gefunden werden.

Anwendungsgebiete des 3D Druck bei Alphaform.

Anwendungsgebiete des 3D Druck bei Alphaform.

Dann finde ich die Berichte aus den Aktivitäten der jeweiligen Sektoren sehr interessant. Zuerst der Bereich „Kunststoff 3D Druck“:

Das Segment Additive Manufacturing Kunststoff und Modellbau steigerte den Umsatz im ersten Quartal 2015 um 4 Prozent auf 5,0 Mio. € nach 4,8 Mio. € im ersten Quartal 2014. Sechs weitere, hoch produktive 3D-Printing-Maschinen wurden im Verlauf des ersten Quartals in einer neuen Fertigungsstätte in der Nähe des Firmensitzes in Feldkirchen installiert und zum Teil schon Betrieb genommen, obwohl eine Betriebsunterbrechung infolge eines Wasserschadens dort das Hochfahren der Produktion verzögert hatte.

Was lernen wir daraus: Wachstumsrate bei 4% und das bei dem nach eigenen Angaben „führenden industriellen 3D-Druck-Dienstleister in Europa“. Passt meiner Ansicht nach nicht ganz zum ersten Zitat. Dann die Zahl: 6 neue 3D Printer. Nur um mal so eine Relation zu bekommen. Selbst Europas größter Dienstleister rechnet in kleinen Stückzahlen. Und dann der Wasserschaden: Auch interessant, dass selbst große und höchstprofessionelle Unternehmen sich mit sochen Banalitäten herumschlagen müssen. Jetzt aber zum Bereich „Metall 3D Druck“ – also dem Premiumsegment:

Das Segment Additive Manufacturing Metall und Rapid Tooling verbesserte den Umsatz sogar um 45 Prozent auf 1,6 Mio. € nach 1,1 Mio. € im ersten Quartal 2014 und erfüllte damit die internen Erwartungen in vollem Umfang. Auch hier wurden im abgelaufenen Quartal weitere Produktionsanlagen in die Fertigung aufgenommen.

Hier sieht die Welt schon ganz anders aus. 45% YearOnYear Wachstum. Das ist ordentlich.Aber die Basis ist natürlich viel kleiner: 1,6 mio Euro. Eigentlich unfassbar wenig. Dafür, dass es sich bei Alphaform wie schon oben erwähnt um den (zumindest einen der) größten 3D Druck anbieter handelt, ist 1,6 mio Umsatz in so einem multifunktionalen, zukunftsorientierten Segment geradezu mickrig. Im Gegensatz dazu macht mein lieblings „Hidden Champion“ BPW Bergische Achsen, die nichts anderes bauen, als Fahrwerke für Autoanhänger (was für eine krasse Nische) satte 1,1Mrd. Euro. Das ist knappe 700mal so viel!

Heisst: mit Anhängerfahrwerken kann man in Deutschland 700mal so viel verdienen wie mit 3D Druck. Seltsam oder?